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Alle Juden nach Israel (?)

Mittwoch, Februar 18, 2015
Die Reaktionen auf den jüngsten Aufruf Benjamin Netanjahus, alle Juden mögen nach Israel auswandern, reichten von Empörung, bis zu Bitten zu bleiben.

Mich wundert das einigermaßen. Warum? Ganz einfach, diese Aufrufe Natanjahus kommen mit schöner Regelmäßigkeit. Als nicht israelischer Jude kann man das nett empfinden, an Fürsorge denken oder einfach auch nur entnervt bis gelangweilt sein. Ganz offensichtlich aber, und so wage ich zu unterstellen, ist die "Massenauswanderung" der französischen Juden nicht nur in den letzten Monaten doch einigen Regierungsoberen zu denken gegeben. Ja, das kann passieren, ja, wir haben Israel als Hafen - zum Glück. Im Notfall wissen wir wohin. Wir wissen, dass wir nicht die Odyseen oder eben auch Ausweglosigkeiten unserer europäischen Ahnen auf uns nehmen müssten, sollte es tatsächlich wieder soweit kommen fliehen zu müssen. Aber ist das jetzt der Fall?
Einige meiner Freunde sind aus den verschiedensten Gründen ausgewandert. Niemand, weil er Angst hatte. Sie fanden dort ihre Liebe, besseres Wetter, waren überzeugt vom Staat oder fühlten sich ganz einfach vom ersten Tag an zu hause. Es war ihre Wahl. Und sollte es nicht so sein, jetzt im Moment? Dass ich nach Israel ziehe, weil es das Land meiner Träume ist, weil ich dort besser leben kann, als ich es sonst wo auf der Welt meine zu können?
Wenn wir nach Israel auswandern, wandern wir hoch, wandern Israelis aus, steigen sie auf der Leiter herunter. Nichts anderes heißt das Wörtchen Aliyah - und manch einer glaubt wirklich daran. So dann eben auch der Blick an uns, die wir nicht aufsteigen wollen, die wir in unseren Heimatländern zuhause sind. Ich unterstelle Netanjahu abgesehen vom Wahlkampf, auch diese Sicht.

Vielleicht ist man sich jetzt bewusst, wie fragil auch das hier Leben der europäischen Juden ist, wie schnell sie weg sein könnten, jetzt, da sie weg können. Vielleicht aber überlegt man auch in Zukunft, dass diese Aufrufe nicht nur von israelischer Seite kommen...sie kommen auch aus ganz anderen Mündern und fordern uns auf zu gehen. Sollen wir erst darauf hören, bis sich etwas regt?

Wie dem auch sei. Ich bleibe. Aber ich bleibe mit der Gewissheit, dass ich einen Ausweg habe, zur Not, wenn nichts mehr geht. Und das ist auch gut. Derweil bin ich das was ich bin, eine Deutsche die seltsam andere Feiertage und vielleicht auch eine andere Familiengeschichte hat als der Durchschnitt. Mehr aber auch nicht. Und Durchschnitt - wer ist schon Durchschnitt.
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Das sollte eine Buchbetrachtung werden - und dann kam Kopenhagen

Samstag, Februar 14, 2015

Eigentlich wollte ich über dieses kleine, nicht mehr ganz so neue Büchlein schreiben, doch dann kam Kopenhagen. Gerade beendete ich die Geschichte, von Motty, der eines Morgens nicht im Körper den 18jährigen Talmudschülers, auch nicht als Kakerlake, sondern als ziemlich durchschnittlicher Bauarbeiter aufwacht...ich las davon, wie er ausgeschlossen wurde, weil sein Äußeres nicht mehr passte zu seiner Welt. Ich las weiter, jetzt erst recht. Dieses kleine Buch, was ich mir ganz ehrlich in einer Laune allein wegen des Covers kaufte (mein Hunde hatte einen ähnlichen Spielzeugknochen - ich sollte noch mal über jüdische Haustierausstattungen schreiben) hat mir so viel Freude bereitet. Seine Geschichten, von Zynismus aber auch von viel Gefühl und Nachdenklichkeit getragen, brachten viele Schmunzeleien und Lachen in meine Tage. 
Beim Lesen dachte ich schon, dass es manch einem gar nicht gefallen mag, was Auslander da schreibt. Aber es muss ja nicht jedem gefallen. Dann las ich einige Kritiken, die von Blasphemie sprachen, davon, dass man das Buch auf "eigenes Risiko" lesen soll. Und ich wunderte mich sehr. Ich wunderte mich. Blasphemie...Leider war nicht zu entnehmen, welch Geistes Kind der Schreiber war - dennoch erschreckte es mich. Blasphemie, ein Wort, das wir immer häufiger hören und das die Macht hat, soviel zu zerstören. Leben zu zerstören. Wie wir es heute wieder erleben mussten. Nur etwas mehr als einen Monat nach Paris schießen zwei Personen auf Besucher einer Diskussion zu Meinungsfreiheit und - ja, Blasphemie. Ein Mensch musste mit seinem Leben damit bezahlen. 
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Je Suis ... - einen Monat danach in Berlin

Dienstag, Februar 10, 2015
Vor einem Monat wurde demonstriert, für Pressefreiheit, für Freiheit überhaupt. All das geschah, nachdem die Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Namen von irgendwelchem Irrsinn ermordet wurde.

Vor einem Monat lobte man sich und die Satirefreiheit der westlichen Welt. Man müsse nicht alles mögen, man müsse es ertragen und jetzt?

Allein, weil der Berliner Senat sich nun mit der Abmahnung des Metronaut für mich endgültig ins aus katapultiert hat, seien hier auch ein paar Worte dazu geschrieben.

Der Post war eindeutig als Satire getaggt, man wundert sich doch sehr über die Qualifikation der (vermutlich) sehr teuren Kanzlei. Und, lieber Senat, Satire muss man aushalten, auch Kritik. Und Kritik an dieser absurden Idee von Olympia in Berlin wird es noch viel mehr geben. Wir wäre es denn einfach mal, wenn Ihr den Berliner ZUHÖREN würdet? Wenn Ihr das Gespräch suchen würdet. Eure Finanzierungsmodelle vorstelltet, als das in Berlin schon knappe Geld für dümmliche Slogans, hässlicher Reklame und sonst etwas für Olympia raus zu werfen? Und ehrlich - die Motive vom Metronauten fand ich persönlich gar nicht so schlecht. Was spräche dagegen, sich auch mit der Geschichte auseinander zu setzen?

Aber nein, wir mahnen ab...wir verbieten das Mäulchen und verkünden dann weiter, dass natürlich die Berliner abstimmen dürfen, ob sie die Spiele haben wollen - nachdem Ihr schon die Bewerbung eingereicht habt.

Ich würde mir wünschen, so schnell, wie Ihr auf den Metronauten reagiert habt, würde man mal in Berlin einen Termin beim Bürgerbüro, bei irgendeinem Bürgerbüro, bekommen. Und weil's so schön war, gleich noch ein paar mehr Motive beim Metronauten und ein Artikel bei der Netzpolitik. Die Originale gibt es übrigens hier zu bewundern.


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Ein Blogpost, ein Kommentar, die Anzeige und was dann kam

Montag, Februar 09, 2015
Im Sommer 2014, der Hochzeit der Ausschreitungen, nicht nur auf Berlins Straßen, aber vor allem auch der Hochzeit des "neuen" Antisemitismus schrieb ich einen Beitrag zu meinen Gedanken in dieser Zeit. Die Reaktionen - und damit hatte ich nicht gerechnet - waren zum Großteil positiv. Aber eben nur zum Großteil. Es kam auch ein Kommentar, der sämtliche Voraussetzungen für eine Strafanzeige erfüllte. Ich bat Chajm um Rat, wie er mit der Situation umgehen würde - danke nochmal dafür. Schließlich bekommt man nicht aller Tage solche Zuschriften. Man ist (nicht nur als Jude) so allerlei gewöhnt, aber das war doch mehrere Schritte weiter gegangen. Ich wusste nur eines, ich werde den Kommentar nicht veröffentlichen. Das war das erste Mal, dass ich mich dazu entschloss. Meist lasse ich sie selbst entblößen. Nur hier...hier nicht.
Es folgte die Kontaktaufnahme zum Antisemitismusbeauftragten der Berliner Gemeinde. Ich war verunsichert, wollte Rat und wissen, ob es überhaupt Sinn macht, hier etwas zu tun. Die Antwort kam nicht.
Nach ein paar Tagen entschloss ich mich doch, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. An dieser Stelle sei ausdrücklich auf das Angebot der Internetwache der Berliner Polizei hingewiesen, das mir auch die Angst nahm, zu einer Wache hinzugehen und womöglich seltsame Blicke oder Kommentare ernten zu müssen. Ja, die Angst bestand. Ich erstattete also Anzeige und bekam sehr schnell Antwort. Den Text des Kommentars hatte ich bereits übermittelt und wie ich vermutete stand hier nicht nur Volksverhetzung, sondern auch Bedrohung und Weiteres im Raum. Ich rechnete nicht mit viel, ich wollte letztlich, dass dieser "Vorfall" in die Statistik einging. Der Bearbeiter bei der Polizei war sehr freundlich, sammelte alle Daten, die ich bieten konnte - es war nicht viel.

Zwei Wochen nach meinem Schreiben an die Berliner Gemeinde antwortete nun auch der Antisemitismusbeauftragte. Das Verfahren gegen Unbekannt war längst eingeleitet.

Und nun...nun kam Post von der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren ist eingestellt, man habe den Täter nicht ermitteln können. Ich bin enttäuscht, irgendwie schon. Ganz tief drinnen habe ich wohl doch gehofft, dass es nicht ungestraft bleiben würde.
Nach diesem Vorfall habe ich das Kommentarsystem umgestellt. Ich erlaube zwar noch immer "anonyme" Kommentare - aber via einem anderen System, dass die Ermittlungen im Falle des Falles leichter machen kann.

Und was wird aus dem Kommentar in meiner Warteschleife? Ich werde ihn nicht löschen. Vielleicht gibt es ja mal irgendwann eine Hatepoetry-Lesung mit Nichtprominenten. Na, hat jemand Lust? Material haben wir doch sicherlich reichlich.
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Buchbetrachtung: Michel Houellebecq - Unterwerfung

Sonntag, Februar 08, 2015
Nun also doch. "Unterwerfung" stand auf meiner Liste - ist aber nach den Anschlägen von Paris deutlich nach hinten gerutscht. Soviel wurde interpretiert, so wenig wirklich gesagt, ich verlor das Interesse. Bücher, die bewusst provozieren wollen langweilen mich. Aber ist das hier der Fall? Nachdem eine Freundin geradezu schwärmte, wagte ich mich also doch ran. Und ganz wie sie, las ich es in zwei Tagen durch. Es ist ein schmalen Buch, in einfacher Sprache, mich schmunzelnd teils an die französischen Büchern meiner Jugend, die im elterlichen Haus zu finden waren, erinnernd. All sie haben gemeinsam, dass sie in deutlicher Sprache die sexuellen Phantasien des Autors schildern. So amüsierte mich Houellebecq geradezu mit seiner schlichten Fixiertheit, seine Freuden am (straffen) jugendlich-weiblichen Körper. Vor meinem Auge sah ich indes den Autor selbst, was alles noch amüsanter bis vorausschaubar machte. Irgendwie alles sehr französisch. Aber skandalös? Man dichtet wohl zu viel hier hinein. Ich denke nicht, dass es wirklich beabsichtigt war, ein kritisches Buch zum Islam zu schreiben, überhaupt ein kritisches Buch. Es ist ein gemütliches Buch über einen Mann in Lebenskrise, dessen hauptsächliche Sorge es doch war, an das von ihm begehrte junge Fleisch zu kommen. Als Atheist aus der inzwischen islamischen Universität entlassen, entzogen sich ihm die Möglichkeiten....und so geht man Kompromisse ein - oder lässt sich überzeugen?

Ich habe es gern gelesen. Die Seiten fliegen dahin, man wird nicht gelangweilt. Möchte man hochgreifen, kann man dem Buch zugestehen, dass es die Frage, was den Reiz den Islam ausmachen möge, einfach beantwortet. Houellebecq allerdings geht hier die einfachen Wege. Seine Religionsvergleiche sind oberflächlich und bewegen sich lediglich zwischen Katholizismus und Islam...

Soll man, muss man es gar lesen, um mitreden zu können in der Diskussion um die Gefahren des Islams? Mit Sicherheit nein. Auch sonst verpasst man, außer unterhaltsame Stunden, nicht viel. Mir hat am meisten Freude gemacht, dass es sich wirklich gut - aber nicht literarisch wertvoll lesen lässt. Wären nicht die Anschläge gewesen, so hätte man mich Sicherheit viel weniger unterstellt.

Lesen Sie's, machen Sie sich ein paar unterhaltsame Stunden.
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Darf man eigentlich "Jude" sagen?

Montag, Januar 26, 2015


Ganz klare Antwort: Ja, bitte!

Als der Tatort Anfang Januar lief und ein Szenentext in etwa so lautete:

"...nur weil er Jude, oh, Entschuldigung, Person jüdischer Abstammung..."
, platzte mir der Kragen. Ich konnte mich nicht mehr enthalten und hackte in die Tastatur, was mir in den Sinn kam:


Da es seit dem immer wieder in meinen Gedanken kreist, möchte ich es noch einmal ausführen. SInd es nicht Absurditäten, die man sich als Umschreibung von uns Juden einfallen lässt, nur, um uns nicht beim Namen nennen zu müssen? Warum tut man alles, nicht "Jude" sagen zu müssen? Es ist mir unverständlich. Ich hörte Dinge wie: "Der Zentralrat habe es verboten.", die Vermutung, dass der Begriff "Jude" als Beleidigung gilt bis hin zu irgendwelchen linguistischen Begründungen.

Begeben wir uns also auf die Spur. Zur Wortbedeutung und Herkunft:
"bezeugt in den mittelhochdeutschen Formen jude, jüde, die ihrerseits den althochdeutschen Formen judeo, judo entstammen; diese wurden aus dem Lateinischen Iudaeus → la entlehnt, welches wiederum aus dem Griechischen Ioudaĩos übernommen wurde; dieses geht auf das hebräische Wort יְהוּדִי‎ (CHA: yehūḏī)‚ Einwohner des Landes Juda‘ zurück"

 Laut Duden sind Juden:  

"Angehöriger eines semitischen Volkes, einer religions- und volksmäßig zusammengehörenden, über die ganze Erde verstreuten Gemeinschaft"

Allerdings spannend im Duden ein besonderer Hinweis, der mich stutzig machte:

"Gelegentlich wird die Bezeichnung Jude, Jüdin wegen der Erinnerung an den nationalsozialistischen Sprachgebrauch als diskriminierend empfunden. In diesen Fällen werden dann meist Formulierungen wie jüdische Menschen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger oder Menschen jüdischen Glaubens gewählt."

Und ich frage, von WEM wird es als diskriminierend empfunden? Ich habe weder Juden erlebt, die sich  dadurch beleidigt fühlten, noch diskriminiert - denn, wir sind, was wir sind. Umschreibungen ändern nichts daran und lassen eher das Gefühl entstehen, dass wir als seltene Spezies sezierend untersucht würden.
Vielmehr denke ich, dass sich hier noch etwas überträgt, dessen Grundstein vor mehr als siebzig Jahren gelegt wurde. Mit der permanenten nationalsozialistischen Propaganda, dass "der Jude" an allem Schuld sei, das Unglück der Welt etc., kurz alle Juden waren per se schlecht und der Grund allen Übels. Man hatte also auch hier geschafft, einem vormals eher neutralem Wort eine negative Bedeutung zu geben. Dem gilt es, sich entgegenzustellen. Dieser offensichtlich noch immer vorhandene negative Beigeschmack macht es erst möglich, dass das Wort (nicht nur) auf Schulhöfen noch immer oder schon wieder ein Schimpfwort ist. Nur, wen oder warum will man damit beleidigen. Was soll daran schlecht sein, Jude zu sein? Zur Beleidigung wird es erst durch den Zusatz weiterer Wörter.

Übrigens ist mir keine andere Sprache bekannt, die sich derartig abmüht, die Juden nicht Juden zu nennen. So also kommt es zu solch schönen Kreationen wie die oben zitierten und z.B.:
  • Menschen jüdischer Abstammung
  • Menschen jüdischen Glaubens
  • Menschen jüdischer Konfession
  • Kind jüdischer Eltern
  • aus jüdischem Elternhaus
  • Person jüdischer Herkunft


Ich frage, macht man solche Unterscheidungen bei Christen auch? Bei Moslems? Buddhisten? Mir scheint, nur bei uns quält man sich und führt alles in noch absurdere Pfade.

Man muss nicht jüdischer Abstammung sein, um Jude zu sein.
Man muss nicht jüdischen Glaubens sein, um Jude zu sein.
Man muss nicht jüdischer Konfession sein, um Jude zu sein.
Man muss nicht Kind jüdischer Eltern sein, um Jude zu sein.
Man muss nicht aus jüdischem Elternhaus sein, um Jude zu sein.
Man muss nicht jüdischer Herkunft sein, um Jude zu sein.

All diese mühsam erdachten Umschreibungen schließen Gruppen von Juden aus. Sie schließen die Konvertiten aus, die Atheisten, die, die nicht jüdisch aufwuchsen, die, die aus multireligiösen Elternhäusern kommen... Das, was uns alle, so unterschiedlich der bunte Haufen von Juden ist, eint ist letztlich eines: Wir sind Juden. Und, damit wir das Gendern nicht vergessen, natürlich Jüdinnen.

Also bitte, traut Euch. Sagt das "böse" Wort, damit hier endlich etwas Normalität einkehrt, damit wir dem Wort die noch immer bei einigen Menschen vorhandene negative Kraft nehmen. Es ist keine Beleidigung. Sprecht von Juden und Jüdinnen und nicht von "Mitbürgern jüdischen Glaubens". Es gibt wenig, was mich mehr ausgeschlossen fühlen lässt.


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Ausstellungsrundgang: Gottfried Lindauer. Die Māori Portraits in der Alten Nationalgalerie

Freitag, Januar 23, 2015
Gottfried Lindauer
Huria Matenga Ngarongoa (Julia Martin), 1874
67,5 x 56 cm, Öl auf Leinwand
Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki,
Geschenk von H. E. Partridge, 1915
Gestern zwischen zwei Terminen war noch etwas Zeit, ins Museum zu gehen. Das Berliner Museumsparadies hat reichlich Auswahl, doch schon eine Weile stand nun die Māori Ausstellung in der Alten Nationalgalerie auf meiner Liste.

Ganz oben in der dritten Etage warten die Portraits auf den Besucher und mit ihnen eine große Überraschung - jedenfalls für mich. So erwartete ich einen Raum mit ein paar Bildern, wie üblich mit Angabe des Bildnamens, vielleicht noch ein paar Hintergründe, wie Lindauer dazu kam, die Māori zu malen. Also das, was man von der Alten Nationalgalerie erwartet.
Doch dieses Mal ist das Gegenteil der Fall. Es erwarten einen farbgewaltige präzise Portraits die soviel Lebendigkeit und Würde ausstrahlen, wie ich nichts Vergleichbares kennen würde. Im hinteren Teil (im Bogen, für die, die die Nationalgalerie kennen) befinden sich eine weitere kleine Ausstellung mit Fotografien. Viele der Bilder sind von diesen Fotografien entstanden und sind doch um so vieles aussagekräftiger als die Fotografien, von denen wir doch immer meinen, sie würden die Wirklichkeit abbilden.

So kann ich sehr gut verstehen, warum die Portraits der Ahnen für die Māori von heute so wichtig sind. Warum überhaupt die Bilder das erste mal Neuseeland verlassen durften.



Ich kann nicht viele Worte finden für meine Begeisterung, die ich auch verbal überall verbreite. Und noch etwas hat mich positiv überrascht: jedes Portrait hat eine ausführliche Beschreibung in Deutsch und Englisch, wer die dargestellten sind, was die Kleidung, die Accessoires, die Tätowierungen bedeuten. Man sollte also Zeit mitnehmen, Lese- und Lernlust noch dazu. Es lohnt sich. Wer ganz viel Muße hat, sollte auch die Gelegenheit nutzen, sich die Dokumentation zu den Portraits anzusehen - viele Folgen einst fürs Fernsehen produziert, werden mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Was ich schade finde ist, das das Begleitprogramm doch etwas phantasielos daher kommt. Hätte man doch bei diesem Thema aus dem Vollen schöpfen können. Eine Kooperation mit den Ethnologischen Museum z.B. kommt mir gerade als spontane Idee, Kombiführungen, Thementage, Kinderprogramme.... Da gehören sie schon beide zu den Staatlichen Museen Berlins und dennoch? Den Museumsmenschen lässt das etwas verwundert zurück.

Und übrigens, ich liebe die Alte Nationalgalerie trotz ihrer (in meinen Augen) Mankos über alles. Schließlich ist sie eines meiner Kindheitsmuseen. Das allerdings heißt nicht, dass man Dinge nicht ändern könne über die Jahre. Ich vermisse noch kindgerechte Beschriftungen an ausgewählten Werken. Das sollte sich inzwischen auch durchgesetzt haben.



Fazit zur Ausstellung: Unbedingt empfehlenswert!